Neue Energieschätzgleichung für Rindermischfutter

Kühe am Fressgitter Haus Riswick

Die bisher gültigen Schätzgleichungen für den Gehalt an Umsetzbarer Energie (ME) bzw. für den Gehalt an Nettoenergie (NEL) in Rindermischfuttern wurden im Jahr 1996 veröffentlicht. Diese Gleichungen wurden aus Verdaulichkeitsmessungen mit Mischfuttern abgeleitet, die von 1980 bis 1994 durchgeführt wurden. Die seinerzeitigen Futtermischungen sind aber mit der derzeitigen Zusammensetzung der Rindermischfutter nicht mehr vergleichbar. So weisen die heutigen Mischfutter für Wiederkäuer zum Beispiel erheblich höhere Getreideanteile auf, was sich in höheren Stärkegehalten wider spiegelt. Ebenso ist das Angebot von energiereichen Kraftfuttern ständig größer geworden. In der energetischen Futterwertprüfung NRW, kurz Hammeltest genannt, wurden 1992 erstmals Milchleistungsfutter mit einem Energiegehalt von 7,0 MJ NEL/kg und mehr geprüft. Mittlerweile liegt der Anteil dieser Futtertypen bei mehr als 40 %. In den neueren Verdaulichkeitsmessungen zeigt sich, dass gerade stärke- und energiereiche Kraftfutter mit den alten Schätzgleichungen systematisch unterbewertet wurden (siehe Abbildung 1). Dies war Anlass, neue Gleichungen für die Energieberechnung in Rindermischfuttermitteln zu entwickeln.

Um eine Schätzgleichung abzuleiten, benötigt man zunächst den tatsächlichen Energiegehalt des Futters, der nur im Rahmen von Verdaulichkeitsmessungen exakt festgestellt werden kann. Deshalb wurden zunächst alle Verdaulichkeitsmessungen mit Rindermischfuttern der verschiedenen Untersuchungseinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gesammelt und für eine übergreifende Auswertung zusammengestellt. Insgesamt konnten 349 Datensätze aus Prüfungen ab 1999 für die Auswertung berücksichtigt werden. Diese Mischfutter können als repräsentativ für das heute am Markt verfügbare Kraftfutter betrachtet werden.

Die folgende Gleichung wurde schließlich seitens der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie empfohlen und ist seit dem 01.09.2010 vom Gesetzgeber ins Futtermittelrecht übernommen:

ME (GfE ´09), MJ/kg TM = 7,17  
- 0,01171 x Rohasche, g/kg TM
+ 0,00712 x Rohprotein, g/kg TM
+ 0,01657 x Rohfett, g/kg TM
+ 0,00200 x Stärke, g/kg TM
- 0,00202 x ADForg *, g/kg TM
+ 0,06463 x Gasbildung, ml/200 mg TM
* ADForg = Säure-Detergenzien-Fasern, aschefrei

Die Berechnung der Nettoenergie Laktation (NEL) in der Trockenmasse erfolgt nach folgender Gleichung:

NEL , MJ/kg TM = ME [0,46 + 12,38 ME / (1000 - Rohasche in g/kg TM)]

Neben den klassischen Größen wie Rohasche, Rohprotein und Rohfett wird für die Energieberechnung zusätzlich der Gehalt an Stärke sowie an saurer Detergenzienfaser (ADForg) benötigt. Der Rohfasergehalt ist dagegen nicht mehr erforderlich. Damit wird der Weiterentwicklung der Strukturkohlenhydratanalytik Rechnung getragen, wie dies in anderen Ländern bereits seit geraumer Zeit geschehen ist. Nach wie vor ist die Gasbildung, gemessen mit dem Hohenheimer Futterwerttest (HFT), ein ganz zentrales Kriterium für die Energieberechnung, womit eine in vitro-Größe in der Gleichung vertreten ist.

Neuere Auswertungen zeigen, dass die Genauigkeit der neuen Gleichung wesentlich besser ist. Insbesondere werden die energiereichen Kraftfutter mit der Gleichung wesentlich korrekter beschrieben. Dies kommt in der Abbildung 2 zum Ausdruck, in der 130 Mischfutter aus den Jahren 2008 bis 2010 ausgewertet wurden. Es besteht eine gute Übereinstimmung zwischen den im Hammeltest und über die Schätzgleichung ermittelten Energiegehalten.

Fazit:

  • Die Energiebewertung der Mischfutter ist durch die neue Gleichung deutlich genauer.
  • Die Schätzformel wurde an Mischfuttern für Kühe, Mastrinder, Kälber und Schafe abgeleitet. Deshalb kann sie auch nur für solche Mischfutter angewandt werden.
  • Insbesondere energie- und stärkereiche Milchleistungsfutter werden korrekt eingestuft, so dass die bisherige Unterbewertung verhindert wird.
  • Eine Anwendung auf Einzelfuttermittel ist nicht möglich.
  • Wegen der genaueren Energieberechnung in den Mischfuttern können Milchkühe und Mastrinder noch besser auf den Punkt gefüttert werden.